Opel macht schon früh mobil: Räder für die Welt von 1886 bis 1937 | Medien OPEL Allemagne

Opel macht schon früh mobil: Räder für die Welt von 1886 bis 1937

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Do, 26/07/1984 - 15:45


Velomobil-Weltrekordversuch 2018: Opel-Fahrradhistorie
 
  • 1886: Erstes Opel-Hochrad verlässt die Rüsselsheimer Werkshallen
  • Über 560 Radrenn-Siege: Opel-Söhne als beste Imageträger der Marke
  • Mitte der 1920er Jahre: Opel wird zum weltgrößter Fahrradhersteller
  • 122,771 km/h: Léon Vanderstuyft stellt 1928 auf ZR III Steher-Weltrekord auf
  • 1937: Produktion endet nach mehr als 2,6 Millionen gebauten Opel-Fahrrädern

 

Rüsselsheim.  Der Ort des 24-Stunden-Weltrekordversuchs von Nici Walde – das Opel Test Center Rodgau-Dudenhofen – mag auf den ersten Blick kurios anmuten. Doch Opel unterstützt die Aktion gleich aus mehreren Gründen: Zum einen spiegeln Anspruch und Haltung der Extremsportlerin den Geist der Marke und des Unternehmens wider. Und zum anderen blickt Opel nicht nur auf viele Jahrzehnte Automobilproduktion, sondern auch auf eine lange und erfolgreiche Fahrradtradition zurück. Denn bevor sich Opel dem Bau von Automobilen widmete, stand das Fahrrad im Mittelpunkt. Im Jahr 1886, als in Rüsselsheim das erste Hochrad gefertigt wurde, begann eines der erfolgreichsten Kapitel in der Opel-Firmengeschichte. 1927 avancierte das Unternehmen sogar zum größten Zweiradhersteller der Welt. Zahllose Rekorde und Sporterfolge machten die Marke bekannt, allein über 560 Siege errangen die fünf Opel-Söhne. Mit der Konzentration aufs Automobilgeschäft und dem Verkauf der Fahrradproduktion an NSU endete 1937 nach über 2,6 Millionen gefertigten Fahrrädern das Zweirad-Kapitel.

Erste Bekanntschaft mit dem Fahrrad: Paris 1884

In Paris macht Adam Opel 1884 Bekanntschaft mit der neuartigen Erfindung, die im Volksmund „Knochenrüttler“ genannt wurde. Erste Exemplare wurden für den Eigenbedarf gekauft. Von der Begeisterung seiner Söhne und den kaufmännischen Möglichkeiten des neuen Verkehrsmittels überzeugt, entschließt sich Opel zum Bau von Fahrrädern. Und schon im Frühjahr 1886 rollt das erste in Rüsselsheim gefertigte Hochrad vom Hof – damit zählt Opel zu den ersten Fahrradherstellern in Deutschland. Schon bald wird die Modellpalette um Dreiräder und „Sicherheits-Niederräder“ erweitert. 1888 wird die erste Fabrikhalle eingeweiht, die allein der Zweiradproduktion vorbehalten ist. Daran angeschlossen ist ein Fahrsaal, in dem die Kunden ungestört üben können. Im selben Jahr gründet Adam Opel mit rund 20 Radsportlern den ersten Radfahrverein Rüsselsheims. Bereits 1889 sind bei Opel mehr als 1.000 Menschen beschäftigt, die neben Nähmaschinen jährlich 2.200 Hoch- und Niederräder bauen.

Opel-Fahrräder und -Radprofis: Publikumslieblinge eilen von Sieg zu Sieg

Wegbegleiter des kommerziellen Erfolges der Opel-Räder sind in den Anfangsjahren 240 Wettkampfsiege. Darunter ein besonderes Glanzlicht: Am 20. Juli 1888 erringt August Lehr in London auf einem Opel-Hochrad die „Meisterschaft der Welt“. Beste Werbeträger für die eigene Marke werden jedoch die fünf Opel-Söhne selbst – berühmt ist das Bild der Brüder auf ihrem Fünfsitzer, dem Quintuplet. Fritz, Heinrich, Ludwig, Wilhelm und Carl fahren zusammen mehr als 560 Siege ein. Carl gewinnt insgesamt 60 erste Preise, Wilhelm 70, Ludwig über 100 und Heinrich 150. Erfolgreichster Opel-Fahrer ist Fritz mit über 180 ersten Plätzen. Einer seiner größten Triumphe bleibt der Sieg bei der Fernfahrt Basel-Cleve im Jahr 1894. Für die 620 Kilometer benötigt er 27 Stunden und 50 Minuten. Sein Rad: die 1893 eingeführte Halb-Rennmaschine „Opel-Victoria-Blitz“, deren Bezeichnung in ferner Zukunft zum Typennamen der Nutzfahrzeugpalette „Opel Blitz“ und anschließend zum Markenzeichen des Unternehmens werden wird.

Die Erfolgsserie zieht sich durch die Jahrzehnte. Insbesondere in den 1920er Jahren fährt das werkseigene Team von Sieg zu Sieg. Die Fahrer auf gelb-schwarzen Rennrädern vom Typ ZR III zählen zu den Favoriten aller großen Rennen. Schon der dreifache Tour de France Sieger Philippe Thys aus Belgien setzt bei seinen Siegen 1913, 1914 und 1920 auf Rennräder aus Rüsselsheim. 1925 wird der Franzose Robert Grassin auf Opel Steher-Weltmeister. Steher-Rennen, bei denen die Rennfahrer im Windschatten eines vorausfahrenden Motorrads Steher-Qualitäten beweisen müssen, sind im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts überaus populär. 1928 wird das Jahr der Sensation:

„Opel bricht den Weltrekord. Auf der Autorennbahn von Montlhéry bei Paris gelang dem belgischen Dauerfahrer Léon Vanderstuyft hinter dem Schrittmacher Lehmann 122,771 km in der Stunde1 zurückzulegen und damit den von Brunier vor drei Jahren an gleicher Stelle errungenen Weltrekord von 120,900 km/h zu brechen. Weitere Rekorde stellte er auf über 25 km (12:41,8 min), über 50 km (24:44,8 min) und über 100 km (49:00 min). Die unerhörten Leistungen waren nur möglich mit einem Rad, das höchste Leichtigkeit mit höchster Festigkeit verbindet. Vanderstuyft benutzte daher das Rad, das in seiner Güte einzigartig dasteht, das Rad der größten Fahrradwerke der Welt, das Rad der Räder OPEL“, lautet der Text eines Plakats.

Der auf einer modifizierten ZR III-Rennmaschine eingefahrene legendäre Geschwindigkeitsrekord sollte in Folge über 50 Jahre Bestand haben.

Frisch vom Fließband: Opel wird Weltmarktführer bei der Fahrradproduktion

Parallel zu den sportlichen Höhepunkten avanciert Opel durch die Umstellung des Fahrradbaus auf die Serienproduktion Mitte der 1920er Jahre zum weltgrößten Hersteller. Bei vollem Betrieb verlässt alle sieben Sekunden ein Fahrrad die Fertigung. Eine enorme Arbeitsleistung und logistische Herausforderung – um 1929 besteht ein durchschnittliches Herrenfahrrad immerhin aus 1.435 und ein Damenrad aus 1.465 Teilen. In einem zeitgenössischen Buchbeitrag heißt es: „Die Opel-Werke sind in der Lage, jede der millionenfach möglichen Variationen an Größe, an Lackierung, an Felgen, an Bereifung usw., die etwa von der Kundschaft gewünscht werden sollten, spätestens sieben Stunden nach Bestellung versandfertig an einen der 15.000 Händler auszuführen.“ Schon damals Individualität à la Opel.

Nach 51 Jahren endet schließlich die Fahrradproduktion bei Opel. Insgesamt wurden 2.621.965 Räder hergestellt. Im Jahr des 75-jährigen Firmenjubiläums erfolgt mit dem Verkauf der Fahrradfertigung an NSU – wo noch für ein Jahr Fahrräder mit der Bezeichnung Opel-NSU produziert werden – die Konzentration auf das Automobilgeschäft.
 


[1] 122,771 km/h Spitzengeschwindigkeit.

 

 

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